Emmely und Jeany

Andrea Röttgen & Doris Minuth
Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2007

(Euro 7,60)
ISBN
978-3-86706-334-3
78 Seiten,
zahlreiche schwarz-weiß-Fotos,
flexibler Einband 12 x 19 cm,

 
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Was Hundedamen sich zu erzählen haben, 30. Mai 2007
Rezension von Edith Nebel

Worüber unterhalten sich wohl zwei Hundebesitzer? Genau: über ihre Hunde. Doch
worüber würden sich die Hunde unterhalten? Klatschen sie vielleicht über ihre Menschen?
Reden sie vom Wetter und vom Essen, schwärmen sie von ihren Hobbys und lästern
über Freunde und Verwandte - so wie wir Zweibeiner auch?
Genau diese Frage haben sich die Autorinnen Andrea Röttgen und Doris Minuth gestellt
- und ließen ihre beiden Malteser-Hündinnen Emmely und Jeany in einen regen E-Mail-
Austausch treten.
Über ein halbes Jahr hinweg können wir verfolgen, was die beiden Hundemädchen sich
so zu erzählen haben. Sie kennen einander nicht persönlich, sondern haben sich, wie
viele Menschen heute auch, über das Internet kennengelernt.
Emmely lebt bei Familie Röttgen in Magdeburg. Eine schicke, zarte und etwas ängstliche
Hundedame aus der Stadt. Doris Minuths Jeany ist da schon etwas robuster. Ein
temperamentvolles Landkind aus Norddeutschland, das schon mal ausgewachsene
Schäferhunde verbellt und noch nie im Leben beim Hundefriseur war.
Und siehe da, so sehr unterscheiden sich die Lieblingsthemen von Mensch und Hund gar
nicht! Emmely hat ein bisschen Kummer, weil sie sich an eine Veränderung gewöhnen
muss: Frauchen ist jetzt wieder außer Haus berufstätig, und die Hundedame muss
tagsüber von Oma betreut werden. Warum die Menschen so ein Buhei ums liebe Geld
machen, ist Emmely allerdings rätselhaft, wo es doch weder zum Spielen noch zum
Fressen taugt. Eine Situation, die ihrer Hundefreundin Jeany bekannt vorkommt. Ihr
Frauchen ist künstlerisch tätig und mit ihren Werken öfter mal auf Ausstellungen
unterwegs. Dann heißt es auch für Jeany gelegentlich: Urlaub bei Freunden. Auch
wenn die Betreuungspersonen noch so lieb sind - die eigenen Menschen sind doch
die besten. Darin sind sich die beiden einig.
Meine Eingangsthese hat sich also bestätigt: Hunde tratschen über ihre Menschen! Sie
unterhalten sich aber auch über ihre Freizeiterlebnisse. Beide lieben es, im Schnee
herumzutoben und darin dank ihres weißen Fells fast unsichtbar zu sein. Nur die dunkle
Nase, die verrät sie. Jeany planscht und schwimmt auch gern - eine Freizeitaktivität, der
Emmely überhaupt nichts abgewinnen kann. Und während Jeany es genießt, bei
Veranstaltungen im Mittelpunkt zu stehen und von allen bewundert und gekrault zu werden,
ist für Emmely die Vorstellung, von fremden Menschen angefasst zu werden, beängstigend
und widerwärtig. Sie sind eben grundverschieden, die beiden weißen Hundedamen.
Wer hätte übrigens gedacht, dass Hunde sich auch Gedanken über ferne Länder machen?
Das Gerücht, in Japan würde man Hunde essen, sorgt für einige Aufregung ...
Was wären Frauengespräche ohne den Erfahrungsaustausch über Krankheiten und Ärzte
- und ohne Styling-Tipps? Emmely schwärmt von ihrem praktischen Sommer
-Kurzhaarschnitt. Jeany findet das Foto zwar sehr inspirierend, zögert aber noch.
Schließlich hat sie noch nie ein Friseurstudio von innen gesehen. Ob sie sich doch noch
entschließen kann?
So gehen die E-Mails kurzweilig hin und her. Emmely erzählt lieb und treuherzig, Jeany
witzig und bildhaft. Und es ist erstaunlich, wie deutlich die unterschiedlichen Charaktere
und Lebensumstände der beiden Hundedamen anhand dieser kurzen Nachrichten werden.
Was sicher auch der Tatsache geschuldet ist, dass hier ein Autorinnen-Team am Werk war
und jede Autorin "ihren" Hundecharakter herausarbeiten konnte.